Eine Mutter, deren Sohn verstorben ist, sagte einmal zu mir:
"Ich bin immer froh, wenn jemand den Tod meines Sohnes so direkt anspricht, weil fast alle nur wegschauen und mich behandeln, als wäre der Tod eines Kindes ansteckend. Und das tut weh!"
Diese Aussage zeigt deutlich, wie stark Sterben und Tod in unserer westlichen Welt tabuisiert werden. Anthropologen sprechen von verdrängter Todesangst und dem Tod als Tabu. Menschen wechseln die Straßenseite, wenn sie auf einen Hinterbliebenen treffen, denn ein Aufeinandertreffen hieße, über den Tod sprechen zu müssen. Trauernde geraten in Außenseiterpositionen und müssen alleine Wege finden, um die schmerzhafte Situation des Verlustes zu bewältigen.
Nicht in allen Kulturen tritt man dem Tod so feindlich gegenüber. In ethnischen Kulturen werden Tod und Sterben als natürliche Konsequenz des Lebens betrachtet und durch Riten vergegenwärtigt. Riten haben zum einen den Sinn, sich des Todes bewusst zu werden und zum anderen den Toten in eine andere Welt zu begleiten. Speziell der Schamane übernimmt dabei eine bedeutende soziale Rolle. Als "Psychopomp" begleitet er Sterbende und unterstützt sie gegebenenfalls auch nach dem Tod, damit sie ihre Destination - das Jenseits - auch erreichen.
In unserer Kultur sind wertvolle Riten leider verloren gegangen, daher stehen Menschen dem Tod machtlos und unbeholfen gegenüber. Elisabeth Kübler-Ross ist es mit ihren zahlreichen Büchern (zB Interviews mit Sterbenden) gelungen, den Weg für die Hospizbewegung zu ebnen. (>) weiter
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