Die visionäre Erfahrung mit oder ohne Spiegel zieht sich durch die Geschichte der Menschheit (Hl. Paulus, Jeanne d'Arc, Abraham Lincoln etc.) Dazu schreibt der Autor : "Heutzutage neigen viele Menschen dazu, Visionen für ein pathologisches Phänomen zu halten. Sie nehmen an, daß Personen, die behaupten, Visionen zu haben, schizophren, delirös oder sogar Soziopathen sind- eine Meinung, die sich derzeit etwas wandelt , da eine wachsende Anzahl von demographischen Untersuchungen erweist, daß visionäre Erfahrungen in der normalen Bevölkerung allgemein verbreitet sind" (Moody 1994:28).
Moody unterscheidet zwischen 3 Visionsformen:
Pareidolie (umwölkte Visionen), die häufig in kollektiver Wahrnehmung erlebt wird (zum Beispiel die Wolke als äußerer Stimulus, dem eine Interpretation hinzugefügt wird; auch als Illusion bezeichnet). Der Pareidolie liegen auch verschiedene Formen der Weissagung zugrunde, wie etwa am Beispiel der Kahunas auf Hawaii, die sich selbst Fragen stellten und die Antwort in den Mustern der Wolken zu glauben erkannten.
Trauminkubation am Beispiel vom Alten Griechenland. Äskulap war ein hochverehrter Arzt, der nach seinem Tod in den Heiligenstand erhoben wurde. Zu seinen Ehren wurden Stätten errichtet, zu den bekanntesten zählte jene in Epidaurus, eine Art Mayo-Klinik für die Trauminkubation oder den Tempelschlaf. In diesen Tempeln wurden zu Heilzwecken visionäre Erfahrungen herbeibeschworen. Mittelpunkt der gesamten Anlage war das Abaton, ein von einem Hof umgebenes Gebäude. Die Pilger schliefen dort, bis sie einen ganz bestimmte Traum hatten. In diesem Traum erschien Äskulap mit dem Caduceus (Emblem des mediz. Berufsstandes, zwei ineinander verschlungene und um einen geflügelten Stab geringelte Schlangen )