Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, bezeichnete in einem Brief im April 1909 an C.G. Jung, dessen Hypothese des "Complexspuks" als "holden Wahn". Im gleichen Jahr ergab sich ein Zusammentreffen. Jung besuchte Freud in Wien und berichtet:
"Während Freud seine Argumente vorbrachte, hatte ich eine merkwürdige Empfindung. Es schien mir, als ob mein Zwerchfell aus Eisen bestünde und glühend wurde-ein glühendes Zwerchfellgewölbe. In diesem Augenblick ertönte ein solcher Krach im Bücherschrank, der unmittelbar neben uns stand, daß wir beide furchtbar erschraken. Wir dachten, der Schrank fiele über uns zusammen. Genauso hatte es getönt. Ich sagte zu Freud: "Das ist jetzt ein sogenanntes katalytisches Exteriorisationsphänomen [Spuk]" 'Ach', sagte er, 'das ist ein leibhafter Unsinn!'- 'Aber nein', erwiderte ich, 'Sie irren Herr Professor. Und zum Beweis, dass ich recht habe, sage ich nun im voraus, daß es gleich noch mal so einen Krach geben wird!'- Und tatsächlich: Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, begann der gleiche Krach im Schrank. Ich weiß noch heute nicht, woher ich diese Sicherheit nahm. Aber ich wußte mit Bestimmtheit, dass das Krachen sich wiederholen würde. Freud hatte mich nur entsetzt angeschaut. Ich weiß nicht, was er dachte oder was er schaute! Auf jeden Fall hat dieses Erlebnis sein Misstrauen gegen mich geweckt, und ich hatte das Gefühl, ihm etwas angetan zu haben. Ich sprach nie mehr mit ihm darüber (Jung zit. nach Ford 1972:46). [1]
Jung beschäftigte sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit paranormalen Ereignissen, u.a. auch mit Präkognition in Träumen.
In den darauffolgenden Jahren machte Freud eine Erfahrung, die ihn tief beeindruckte und er schrieb 1911 in einem Brief an Jung: " In Sachen Okkultismus bin ich seit der großen Lektion durch die Erfahrungen Ferenczis [1] demütig geworden. Ich verspreche alles zu glauben, was sich irgendwie vernünftig machen läßt. Gerne geschieht es nicht, das wissen Sie. Aber meine Hybris ist seither gebrochen [...]" (Freud zit. nach Ford 1971:46)